Finanzlage der Gemeinde Wickede – 2025 und Ausblick

Stand: 14. Sep. 2026

Die Gemeinde schließt das Jahr mit einem Fehlbetrag von 2,27 Mio. € ab. Bereits das ordentliche Ergebnis ist mit 1,83 Mio. € negativ.

Positiv ist, dass die laufende Verwaltung noch einen Cashflow von 1,09 Mio. € erwirtschaftet hat. Dieser reicht jedoch nicht aus, um die Investitionen zu finanzieren. Für Investitionen flossen 2025 netto rund 7,78 Mio. € ab. Dadurch entstand vor der Finanzierung ein Fehlbetrag von 6,69 Mio. €.

Finanziert wurde dies zu einem erheblichen Teil über Kredite. Die Gemeinde nahm 7,21 Mio. € neue Investitionskredite auf und tilgte gleichzeitig rund 1,85 Mio. €. Die Investitionsverschuldung stieg damit innerhalb eines Jahres deutlich an.

Hinzu kommt: 5,45 Mio. € nicht ausgeführte Investitionen wurden nach 2026 übertragen. Diese Ausgaben sind also nicht eingespart, sondern lediglich verschoben.

Auch bei der Liquidität gibt es Warnzeichen. 2025 mussten zeitweise 2,2 Mio. € Liquiditätskredite aufgenommen werden. Sie wurden zwar im gleichen Jahr wieder zurückgezahlt, zeigen aber, dass es bereits zeitweise zu Liquiditätsengpässen kam.

Der Finanzplan ging für Ende 2025 von einem liquiden Bestand von minus 13,66 Mio. € aus – die Gemeinde hätte also planerisch massiv Liquiditätskredite aufnehmen müssen. Tatsächlich stehen am Jahresende plus 2,29 Mio. € zu Buche. Auf den ersten Blick eine gute Nachricht, aber:

  • Der Grund ist nicht, dass mehr Geld hereinkam, sondern dass die geplanten Investitionen massiv nicht umgesetzt wurden: Nur 7,78 Mio. € statt geplanter 14,93 Mio. € Investitionsauszahlungssaldo – eine Umsetzungsquote von grob 52 %.
  • Entsprechend wurden auch deutlich weniger Kredite aufgenommen als geplant (7,2 statt 10,7 Mio. €).
  • Die nicht verausgabten Ermächtigungen wurden ins Folgejahr übertragen (allein bei Baumaßnahmen 3,14 Mio. €, bei beweglichem Anlagevermögen 709.546 €, bei Grundstücken/Gebäuden 1,6 Mio. €) – das Geld ist also nicht weg, sondern nur verschoben.

    Aus unserer Sicht ist es ein klassisches Muster kommunaler Haushalte in NRW: Überambitionierte Investitionsplanung, die im laufenden Jahr nicht abgearbeitet werden kann (Finanzprobleme, Personalkapazität, Vergabeverfahren, Bauverzögerungen). Die scheinbar entspannte Liquiditätslage ist damit kein Zeichen finanzieller Stärke, sondern eher ein Indiz für einen wachsenden Investitionsstau – die Projekte stehen weiterhin an, nur eben später. Wenn in den Folgejahren mehrere übertragene Ermächtigungen gleichzeitig „nachgeholt“ werden, könnte der Liquiditätsbedarf entsprechend geballt auftreten.

Die weiteren Aussichten

Die nackten Zahlen der mittelfristigen Planung 2026 bis 2029

JahrFehlbedarfAnmerkung
2026 (beschlossene Satzung)4.759 T€Erträge 36.027 T€, Aufwand 41.600 T€, inkl. globalem Minderaufwand 814 T€
20273.009 T€
20282.410 T€Ausgleichsrücklage voraussichtlich aufgebraucht
20291.941 T€

Der Fehlbedarf 2026 liegt mit 4,76 Mio. € mehr als doppelt so hoch wie das bereits schlechte Ist-Ergebnis 2025 (-2,27 Mio. €). Die Planung geht danach von einem kontinuierlichen Rückgang aus (4,76 → 3,01 → 2,41 → 1,94 Mio. €) – aber das ist eine reine Prognoseannahme, keine beschlossene Konsolidierungsmaßnahme. Es steht bislang kein konkretes Sanierungskonzept dahinter, das erklärt, wodurch sich die Lage verbessern soll.

Der Rücklagenpuffer ist der eigentliche Kipppunkt

Der Lagebericht sagt es selbst: 2026 und 2027 können die Fehlbeträge noch über die Ausgleichsrücklage gedeckt werden („fiktiver Haushaltsausgleich“). Ab 2028 wird die Ausgleichsrücklage voraussichtlich aufgebraucht sein. Danach müssen Verlustvorträge gebildet werden, die dann gegen die allgemeine Rücklage verrechnet werden – und ein Ausgleich durch echte Jahresüberschüsse gilt laut Bericht selbst als „tendenziell nicht absehbar“. Das ist eine bemerkenswert offene Formulierung für einen Lagebericht: Die Verwaltung rechnet also selbst nicht damit, aus eigener Kraft wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen. Ab 2028/2029 rückt damit ernsthaft die Frage eines Haushaltssicherungskonzepts (§ 76 GO NRW) in den Raum, auch wenn das Wort im Bericht noch nicht fällt.

Die Gewerbesteuer-Annahme wirkt zu optimistisch

Der auffälligste Schwachpunkt der Planung: Für 2027–2029 wird mit 12,0 / 13,0 / 14,0 Mio. € Gewerbesteuer gerechnet (+3,3 % / +3,0 % / +2,7 %, gemäß Orientierungsdaten des Landes). Diese Wachstumsraten stammen aber aus landesweiten Durchschnittswerten und werden offenbar auf ein Vor-Krisen-Niveau angewendet – nicht auf die tatsächliche 2025er-Basis von nur 8,27 Mio. €. Ein Sprung von 8,27 Mio. € (2025 Ist) auf 12,0 Mio. € (2027 Plan) wäre ein (unrealistischer) Anstieg von über 45 % in zwei Jahren – deutlich mehr, als die zitierten Wachstumsraten hergeben. Entweder die Verwaltung rechnet mit einer kräftigen Erholung nach dem 2025er-Einbruch (was der Bericht nicht explizit begründet), oder die Planzahlen sind noch nicht an die neue, niedrigere Basis angepasst. Das ist genau der Posten, der 2025 die größte negative Planabweichung verursacht hat – hier besteht also ein erhebliches Wiederholungsrisiko.

Weitere Risiken, auf die die Gemeinde kaum Einfluss hat

  • Schlüsselzuweisungen des Landes
  • Kreis- und Jugendamtsumlage
  • Personalaufwand
  • Zinsrisiko
  • Geopolitische Risiken
  • Beteiligung Stadtwerke Fröndenberg Wickede GmbH (18 % Anteil): 2025 statt der prognostizierten Gewinne ein Fehlbetrag von 656 T€ – eine Verschlechterung um 1,4 Mio. € gegenüber Plan. Für 2026 wird nur ein knappes Plus von 50 T€ erwartet. Das ist ein zusätzliches, bislang eher kleines, aber symptomatisches Ertragsrisiko außerhalb des Kernhaushalts.

Zusammenfassung der Tabelle (letzte Seite im Entwurf)

Gesamtbewertung 2025

Die Haushaltslage verschlechtert sich deutlich:

  • Fehlbeträge steigen stark.
  • Eigenkapital sinkt.
  • Verschuldung steigt massiv (kritischer Punkt!).
  • Steuerkraft sinkt, Abhängigkeit von Zuwendungen steigt.
  • Investitionsquote bleibt extrem hoch
  • Liquidität bleibt schwach.